Urheberrechtsreform: EU-Parlament winkt Upload-Filter und Leistungsschutzrecht durch

  • Diskussion zum Artikel Urheberrechtsreform: EU-Parlament winkt Upload-Filter und Leistungsschutzrecht durch:

    Zitat
    Viele Online-Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten werden künftig nicht darum herumkommen, Upload-Filter einzusetzen und damit geschützte Werke schon vor dem Erscheinen auf ihren Seiten unzugänglich zu machen.

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    There are only 10 types of people in the world: Those who understand binary, and those who don't.

  • Ich könnte da jetzt einen halben Roman zu schreiben, aber das erspare ich uns jetzt mal ;)


    Nur bzgl. Auswirkungen auf das Forum:

    Man wird keine Upload-Filter einsetzen müssen. Diese Automaten werden nur für Seiten mit sehr vielen Usern quasi ein Muß sein, weil die reine Anzahl der Posts nicht mehr manuell geprüft werden kann.

    Weiter "soll" ja diese Vorschrift nur für Portale ab einer gewissen Größenordnung gelten. Unser Forum dürfte locker jede Grenze deutlich unterschreiten. Aber Du schreibst es selbst, warten wir mal die Umsetzung des Gesetzestextes ab.

    Links auf externe Seiten genauso wie Screenshots sollten aber auch zufünftig keine Probleme machen. Einzig das kopieren von Texten sehe ich als mögliche Quelle für Schwierigkeiten.

    "Die Realität ist nur eine Illusion, allerdings eine sehr hartnäckige.” (Albert Einstein)

  • Eigentlich gehe ich davon aus, dass es Nutzer wie mich wenig bis gar nicht treffen wird.
    Aber auch das wird sich zeigen.

    Selbstverständlich bin ich dafür, dass Urheber besser entlohnt werden.
    Aber die Politik hat gezeigt, dass sie nur die Verwerter fördern will.

    #Neuland eben.


    Einen interessanten Ansatz habe ich in einem anderen Forum gelesen.

    Der Vorschlag war das Urheberrecht wie das Patentrecht umzusetzen.

    Ich müsste also beantragen das etwas von mir urheberrechtlich geschützt wird.

    Selbstverständlich mit jährlichen Gebühren wie bei einem Patent.

    Und schon gäbe es Listen zum abgleichen für die Uploadfilter.


    Vielleicht sollte man da mal drüber nachdenken?

  • Es wurden Verbesserungsvorschläge der EU vorgelegt welche abgelehnt wurden ?(

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  • Und schon gäbe es Listen zum abgleichen für die Uploadfilter.

    Wenn es denn nur so einfach wäre ;)


    Da macht jemand ein Musikvideo, nimmt vorhandene Musik (ggf resampled) aber ein selbstgemachtes Video. Ist das dann urheberrechtsgeschützt ? Und/oder muß der seinerseits für die genutze Musik zahlen ?

    Es gibt eine Menge Kreative, die Vorhandenes abändern, zerstückeln und neu zusammensetzen, etc. pp. Ich habe keine Ahnung, wie man sowas einordnen soll. Immerhin "darf" man ja auch für Cover-Versionen Gebühren zahlen.


    Bei der derzeitigen Lage müßten alle derartigen "Werke" geblockt werden, allein schon weil die rechtliche Situation nicht in 2Min festzustellen ist, und somit der anzeigenden Plattform erstmal potenziell ein Bußgeld droht. Und diese Autoren/Komponisten würden wohl kaum ihre Werke irgendwo registrieren, schon gar nicht gebührenpflichtig.


    Da müßte es also so eine 2-Klassen-Veröffentlichung geben, 1 für offiziell lizensiertes Zeug, und 1 für das, was die Erschaffer der Welt gratis anbieten ... sowas wie *hust* Youtube vielleicht ?



    Ja ok, ich finds auch nicht in Ordnung, wenn solche riesigen Konzerne durch Werbeeinnahmen noch fetter werden, weil sie Werke von Anderen gratis anbieten. Die Upload-Filter-Holzhammer-Methode schadet in meinen Augem aber mehr als sie irgendwem nützt. Wenn überhaupt jemand davon profitieren wird, dann sind es wiedermal die "Großen". Die kleinen Hobby-Indy-Künstler werden gepflegt in die Röhre schaun dürfen. Big Business halt ...

    "Die Realität ist nur eine Illusion, allerdings eine sehr hartnäckige.” (Albert Einstein)

  • Nur mal meine 5-10 ct dazu:


    A) Grundsätzlich ist es erstens nicht nur in Ordnung, sondern geradezu dringend an der Zeit, dass es eine Überarbeitung des gesamten Urheberrechts gibt. Mehr noch, dass diese auf europäischer Ebene als Richtlinie vorgenommen wird, und nicht (wieder) in einem nationalen Flickenteppich versinkt. Der derzeitige Zustand ist im Rahmen der technischen Entwicklung nur noch als weltfremd zu bezeichnen.


    Man muss sich einmal vorstellen: Das heute in Deutschland anwendbare Urheberrecht entstammt seiner Denkungsart nach einer Zeit, in der der Durchschnittsnutzer das "Internet" mit 33,6 kbit erlebte, ISDN-Nutzer mit 64 kbit also schon auf der "Überholspur" dahinbrausten. Zum Vergleich mit meinen heutigen 450.000 kbit reicht noch nicht mal die alte "Pferdefuhrwerk zu Porsche" Metapher. Mondrakete ist schon wesentlich näher dran, da sich die Verbindungsgeschwindigkeiten heute eben um einen Faktor 10.000 + x verbessert haben.


    Wenn die Realität eine bestehende Rechtslage regelrecht ad Absurdum führt, ist es eben geboten, diese anzupassen.



    B) An der Notwendigkeit, das geistige Eigentum eines jeden wirksam zu schützen, sei er nun Künstler, Musiker, Programmierer, Ingenieur oder sonst etwas, führt auch kein Weg vorbei, wenn wir nicht in Verhältnissen leben wollen, die wir unseren "guten Freunden" in China gegenüber regelmäßig empört vorhalten. Es gehört sich eben einfach, erst mal den eigenen Mist aufzuräumen, bevor man dem Nachbarn sagt, dass es bei ihm stinkt.


    Gerade im dem Bereich, der Neudeutsch auch gern "Content-Creation" genannt wird, treffen ja auch Nutznießer und Geschädigte z.T. in einer Person zusammen. Das moderne Internet und seine audiovisuellen Möglichkeiten haben ja Plattformen wie YouTube als Ausspielkanal der eigenen Kreativleistung überhaupt erst möglich gemacht. Musikalisch kann ich z.B. mit folgendem Beispiel nichts anfangen und kenne das nur von meiner Tochter (oh Gott, bin ich alt geworden!) - aber nur nach "Klassischem Muster" könnte heute sicher keiner sagen, wer dieser "Capital Bra" aus Berlin überhaupt ist.


    Alles gut so weit. Frei an Aldous Huxley angeleht: A Brave New World. Das Problem entsteht, wie immer, wenn es ums Geld geht. YouTube, FaceBook, TikTok und wie sie alle heissen mögen, verdienen eben eine irre Menge Kohle mit den Inhalten, die ihre User posten - und die meisten sind im Beispiel YouTube noch nicht mal an der Kohle beteiligt, wenn sie nicht als Content-Creator zum Partnerprogramm gehören. Noch mehr Kohle für YouTube bzw. Google bzw. Alphabet also.


    Das die Urheber der ursprünglichen Inhalte, die dieser Gelddruckmaschine zu Grunde liegen, an diesen Einnahmen beteiligt sein wollen, kann ich nur zu gut verstehen - und das muss auch so sein (s.o.). Problematisch hieran ist allerhöchstens, dass zwischen diesen Urhebern und der modernen Welt oftmals noch die "alte Welt" der Verwertungsgesellschaften/Rechteverwalter usw. steht, die gerne als der böse Raffzahn hingestellt wird. Stimmt ja auch, insoweit sie mit Zähnen und Klauen versucht haben ihre heile Welt des Geldscheffelns zu verteidigen, die einfach von der Realität überholt wurde. In ihrer ursprünglichen Konzeption als die ausgleichende Instanz zwischen Mediannutzern und Medienschöpfern haben sie aber selbst heute noch ihren Sinn.



    C) Und wie so oft haben zwar alle ein Anliegen und alle irgendwie auch ein Recht, aber das von der Politik zusammengeramschte Ergebnis schießt meilenweit an einem gerechten Ausgleich vorbei - Art. 13 betritt die Bühne.


    Statt den tatsächlichen Profiteuren ans Säckel zu gehen und die "gehobenen Gelder / abgeschöpften Gewinne / man möge es nennen, wie man will" denen zukommen zu lassen, denen sie gebühren (gerne auch unter Verwendung althergebrachter Strukturen aka Verwertungsgesellschaften, denn nicht alles Hergebrachte ist in sich schlecht), erschafft man ein Monstrum von Rechtsvorschrift, dass in seiner praktischen Anwendung eben nur eines ist: UNpraktrisch. Da der Staat selbst eben nicht zensieren darf, lässt man es den Privaten machen. SO ein Unfug. Das hat schon mit dem Gesetz gegen Hassrede im Netz ganz vorzüglich... versagt. Nicht schlimm, je öfter man es zum Gesetz macht, desto eher wird es schon klappen.


    An solchen Stellen zitiere ich gerne Werner Heisenberg: "Wahnsinn ist es, immer das Gleiche zu tun, aber ein anderes Ergebnis zu erwarten."



    Da es offensichtlich nicht bei meinen 5-10 ct geblieben ist, wenn ich mich einmal in Rage schreibe, überlasse ich das AUsgangsstatement einfach Dan Bull:


    Manche deutschen Wörter sind so lang, dass sie perspektivisch wirken. Es sind keine Wörter, es sind alphabetische Prozessionen.

  • Natürlich brauchen wir eine neue Regelung des Urheberrechts keine frage. Was mich daran einfach nur stört ist, dass es diverse Verbesserungsvorschläge gab diese aber gekonnt ignoriert wurden.

    Plattformen wie Twitch.tv haben bereits angekündigt, dass Sie Geoblocking betreiben werden - da Streams nicht überprüfbar sind. Google wird wahrscheinlich auch so verfahren.

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    There are only 10 types of people in the world: Those who understand binary, and those who don't.

  • Jetzt mal weg vom Gerechtigkeitsgefühl, wer wen für was zu entlohnen hat usw. ... Niederschreiben kann man viel, mich treibt da eher was anderes um.


    Als überzeugter Pragmatiker würde mich vielmehr interessieren, wie man glaubt das Ganze schließlich in der Praxis anwenden und umsetzen zu können.


    Seit der Digitalisierung, und damit der Loslösung der Informationen von physikalischen Datenträgern (Bücher, Schallplatten, etc), ist der "Schutz geistigen Eigentums" doch quasi die Quadratur des Kreises. Informationen können beliebig und völlig verlustfrei vervielfältigt und/oder weitergegeben werden. Informationszeitalter und so ...

    Wenn eine Information erstmal in Umlauf ist, dann ist es quasi unmöglich sie wieder einzufangen, deren Nutzung zu steuern o.ä. Wie man dabei gleichzeitig ein Recht auf diese Information einfordern will (sei es Bezahlung, Nutzung, Zugang, was auch immer), ist mir absolut unklar.


    Allein der Grundsatz "es kann nicht sein, was nicht sein darf" hilft ja dabei nicht weiter.

    "Die Realität ist nur eine Illusion, allerdings eine sehr hartnäckige.” (Albert Einstein)

  • Als überzeugter Pragmatiker würde mich vielmehr interessieren, wie man glaubt das Ganze schließlich in der Praxis anwenden und umsetzen zu können.

    ...

    Genau deshalb (und wegen der weiteren Punkte deines Posts natürlich erst recht) bleibt in der Praxis wenig übrig, als das Ganze zu Pauschalisieren.


    Sprich: YouTube setzt offen und für jeden sichtbar Geld mit der Nutzung fremder Inhalte um - also muss YouTube zahlen. Dabei kommt es dann gar nicht mehr darauf an, ob die Nutzung eines fremden Inhalts willentlich oder zufällig oder nochmals durch einen Dritten erfolgt. Entscheidend ist allein, wer davon profitiert.


    Leider hat sich, wie schon gesagt, der Gesetzgeber nicht für den pragmatischen Umgang mit dem Problem entschieden, sondern sich aller Warnungen und Unkenrufe zum Trotz für ein praktisch nicht ohne spürbare Folgen umsetzbares System entschieden.

    Manche deutschen Wörter sind so lang, dass sie perspektivisch wirken. Es sind keine Wörter, es sind alphabetische Prozessionen.

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